Ocean Hill Drive




Experimental-Documentary / USA 2016 / S16mm / 21min


Director: Miriam Gossing & Lina Sieckmann / www.gossing-sieckmann.com

Produced by Academy of Media Arts Cologne


Ocean Hill Drive examines a rare phenomenon, the so-called ‚shadowflicker’, that occurs in a suburban area on the outskirts of Boston. As a result of an erroneously installed wind turbine, the flicker effect, which brings to mind structuralist experimental cinema, appears instead in documentary images showing the landscape and architecture of a Massachusetts coast town. The film focuses on the visual quality of the pulsating shadows that intrude the suburban domestic sphere and disrupt the social and psychological equilibrium of the community. Documentary images are complemented with a female voiceover, which is based on multiple interviews that were transcripted and assembled into a single narration. The film slowly uncovers fragmentary memories from the time when the flicker began. An atmosphere of suspense and intangible fear is generated throughout the film, while the actual source of the flickering lights remains unknown.

„Atmosphärisch dicht entwickelt der Film einen Sog, der die Spannung zwischen Surrealistischem und Dokumentarischem hält. Die Filmemacherinnen vertrauen dabei der Aussagekraft ihrer Bilder, die eine feinsinnige Verbindung mit der Tonebene eingehen. Beeindruckt von der Konsequenz, mit der Miriam Gossing und Lina Sieckmann ihre künstlerische Handschrift weiterentwickelt haben, vergibt die Jury den Preis für den besten Beitrag im NRW-Wettbewerb an den Film Ocean Hill Drive.” (Kurzfilmtage Oberhausen 2016)


AWARDS

Nominierung für den Förderpreis für Filmkunst 2017 / Preis der Nationalgalerie Berlin

German Shortfilm-Prize in Gold / 2016

First Prize, NRW-Competition
Oberhausen International Short-Film Festival 2016

First Prize Documentary Competition – Istanbul International Architecture and Urban Film Festival 2016



Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Zunächst glaubt man an einem Filmfehler, eine technische Unzulänglichkeit im Material oder ein Missgeschick bei der Ausspielung: Immer wieder scheint sich für den Bruchteil einer Sekunde ein Schatten über die Bilder von OCEAN HILL DRIVE zu legen: Selbst bei den Nachtaufnahmen ist eine kurzzeitige Verdunklung minimal wahrnehmbar, die allerdings so schnell, wieder vorbei ist, dass man – auch aufgrund der künstlerisch sorgsam ausgewählten Bildausschnitte und Stimmungen – an eine fast geisterhafte Erscheinung glauben mag.

Dazu passen auch die Texte, die sich mit der Zeit als Erinnerungsfragmente von Bewohnern des kleinen Küstenstädtchens in Massachusetts entpuppen, die von seltsamen Erlebnissen, sporadischem Unwohlsein und sonstigen Beeinträchtigungen berichten, für die es zunächst keine – oder zumindest keine natürliche – Erklärung zu geben scheint. Vielleicht ist es ja doch die Präsenz eines geisterhaften Wesens? Die Bilder im Stile eines David Lynchs jedenfalls würden dazu passen. Und doch stellt sich im Verlauf der Films heraus, dass es sich hierbei um etwas ganz anderes handelt, das zudem gerade im Licht der Diskussionen um erneuerbare Energien zusätzliche Relevanz erhält. Der so genannte Shadowflicker-Effekt fungiert dabei in der Narration von OCEAN HILL DRIVE wie ein natürlicher Special effect, der die Bilder und Szenerien mit einer Aura des Unheimlichen, Unwirklichen und Hypnotisierenden versieht. 

Da der Film die Lösung der Herkunft der Schatten zwar andeutet, aber niemals vollends auflöst, ist die Neugier des Zuschauers geweckt – und wenn sich die Lösung dann durch nähere Beschäftigung herauskristallisiert, kommt dadurch fast automatisch ein Gespräch und ein Prozess des Überdenkens in Gange, des dem zuvor Gesehenen noch einmal eine ganz andere Richtung verleiht.